2026-07-16

Fluxys LNG terminal

Europäischer Seehandel: Port of Antwerp-Bruges behauptet sich in einem schwierigen ersten Halbjahr 2026

Der Güterumschlag geht um 2,4 Prozent zurück, der Marktanteil bei Containern bleibt stabil und Investitionen sichern die Zukunft.

Im ersten Halbjahr 2026 schlug der Port of Antwerp-Bruges 133,9 Millionen Tonnen maritime Güter um – ein Rückgang von 2,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Trotz geopolitischer Spannungen, Handelskonflikten, außergewöhnlicher Betriebsstörungen und eines schwierigen wirtschaftlichen Umfelds blieb der Rückgang begrenzt. Während der RoRo-Umschlag zunahm (+5,9 Prozent) und Massengut nahezu stabil blieb (-1,3 Prozent), war der Rückgang vor allem im Stückgutsegment zu verzeichnen. Dabei spielte der Containerumschlag eine maßgebliche Rolle. Gleichzeitig konnte Port of Antwerp-Bruges seinen Marktanteil beim Containerumschlag stabil halten und investierte weiterhin in zusätzliche Kapazitäten, eine effiziente Infrastruktur und nachhaltiges Wachstum.

Containerverkehr durch außergewöhnliche Störungen unter Druck

Der Containerumschlag, gemessen in TEU (Twenty-foot Equivalent Unit), sank in den ersten sechs Monaten im Vergleich zum außergewöhnlich starken Vorjahreszeitraum um 1,5 Prozent; in Tonnen betrug der Rückgang 3,6 Prozent. Vor allem die Ausfuhr beladener Container blieb hinter den Erwartungen zurück (-5,7 Prozent). Das spiegelt die schwache Exportlage der westeuropäischen Wirtschaft wider. Gleichzeitig deutet der steigende Umschlag leerer Container (+13,7 Prozent) auf ein zunehmendes Ungleichgewicht zwischen Importen und verfügbarer Exportfracht hin.

Der Rückgang des Containerumschlags wurde durch außergewöhnliche Betriebsstörungen verstärkt. Ein viertägiger Streik in der Schifffahrtsbranche im März führte zu einem geschätzten Verlust von 100.000 TEU. Die Ölverschmutzung im Deurganckdok im April hatte einen zusätzlichen Verlust von etwa 85.000 TEU zur Folge. Im Juni führten Streiks der Lotsen erneut zu Beeinträchtigungen und einem geschätzten Verlust von 75.000 TEU. Trotz Umleitungen und angepasster Fahrpläne blieb der Hafen betriebsbereit und die Rückstände wurden nach und nach abgearbeitet.

Quartalszahlen Q2 2026
Quartalszahlen Q2 2026

Geopolitische Einflüsse verändern die Handelsströme

Die geopolitischen Entwicklungen im Nahen Osten hatten deutliche Auswirkungen auf die Handelsströme. Die Einfuhren aus den Ländern rund um den Persischen Golf lagen in der ersten Jahreshälfte 2026 um 57 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Vor allem die Energieströme waren davon betroffen: Nach der letzten LNG-Lieferung (Liguified Natural Gas) aus Katar am 23. März kam der Import aus der Region ab April praktisch zum Erliegen. Die LNG-Lieferungen aus Katar gingen um 66 Prozent zurück. Containerreedereien passten ihre Fahrpläne an und entwickelten alternative Routen über das Rote Meer und den östlichen Mittelmeerraum. Infolgedessen ging der Verkehr mit dem Persischen Golf stark zurück, während andere Häfen im Nahen Osten an Bedeutung gewannen. Der Netto-Frachtverlust mit dem Persischen Golf belief sich im ersten Halbjahr auf etwa 2,2 Millionen Tonnen. Die größten Auswirkungen sind nach wie vor indirekter Art: Höhere Energie-, Bunker- und Transportkosten sowie Störungen in den Lieferketten setzen die europäische Industrie zusätzlich unter Druck.

 

Auch die amerikanische Handelspolitik machte sich bemerkbar. Die Vereinigten Staaten blieben zwar der wichtigste Handelspartner des Port of Antwerp-Bruges, doch das Importvolumen bei beladenen Containern sank um 10,4 Prozent, das Exportvolumen um 16,5 Prozent. Bei den Stückgutausfuhren in die USA, vor allem Stahl, war ein Rückgang um 32 Prozent zu verzeichnen. Flüssiges Massengut nahm aufgrund höherer Mengen an LNG und Chemikalien zu. China blieb ein Wachstumsmarkt mit steigendem Containerverkehr, Fahrzeugmengen und Stahltransporten. Die LNG-Lieferungen aus Russland stiegen im Vorfeld des ab 2027 geltenden europäischen Einfuhrverbots um 12,5 Prozent.

Andere Gütersegmente zeigen Widerstandsfähigkeit

Abgesehen vom Containerumschlag konnten sich die übrigen Segmente gut behaupten. Der RoRo-Umschlag stieg um 5,9 Prozent, getragen von höheren Volumina bei Neufahrzeugen und unbegleiteter Fracht. Die Zahl der umgeschlagenen Neufahrzeuge stieg um 7,7 Prozent auf 1,695 Millionen Stück. Das lässt sich vor allem auf das Wachstum aus China (+25,5 Prozent) und Japan (+5,5 Prozent) zurückführen. Der Massengutverkehr blieb ebenfalls stabil. Trockenes Massengut stieg um 2,2 Prozent, während flüssiges Massengut nach einem schwachen Jahresbeginn leicht zurückging (-1,9 Prozent). In diesem Segment waren wichtige Verlagerungen festzustellen, darunter ein Wachstum bei LNG (+1,3 Prozent) und Naphtha (+31,3 Prozent). Der Stückgutumschlag blieb unter Druck und ging um 11,7 Prozent zurück. Gründe dafür waren die schwache Nachfrage der europäischen Industrie, die US-Einfuhrzölle auf Stahl, hohe Energie- und Transportkosten sowie Unsicherheiten rund um das CO2-Grenzausgleichssystem (CBAM) und die europäischen Einfuhrquoten. Die gestiegenen Stahlmengen aus China (+44,8 Prozent) konnten den Rückgang bei anderen Handelsströmen nur teilweise ausgleichen.

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Container-Marktanteil bleibt stabil – Investitionen schaffen Zukunftsperspektiven

Trotz schwieriger Marktbedingungen behauptete Port of Antwerp-Bruges seinen Marktanteil und profitierte von Entwicklungen in den Containerallianzen. So beschloss die Gemini Cooperation, Deepsea-Dienste auf der Route Fernost–Europa nach Antwerpen zu leiten. Die Premier Alliance setzte zudem größere Containerschiffe ein. Auch beim Ausbau des ECA-Projekts (Extra Containercapaciteit Antwerpen) wurden wichtige Schritte unternommen. Dazu zählen der Markttest für die Zuteilung zusätzlicher Containerkapazitäten und die Genehmigung des Entwurfs des Projektbeschlusses für den Containercluster Linkerscheldeoever (CCL) durch die flämische Regierung. Durch Investitionen in Kapazitäten, eine effiziente Infrastruktur und nachhaltige Logistik baut Port of Antwerp-Bruges seine Position als zuverlässiges Tor zu Europa weiter aus.

Rob Smeets, CEO von Port of Antwerp-Bruges: “

Das erste Halbjahr zeigt, dass Port of Antwerp-Bruges auch unter außergewöhnlichen Umständen weiterhin seine Rolle als Tor zu Europa erfüllt. Die Handelsströme passen sich ständig an eine neue geopolitische Realität an. Das erfordert Flexibilität von unserer Hafengemeinschaft und unterstreicht die Bedeutung kontinuierlicher Investitionen in Kapazitäten, eine effiziente Infrastruktur und nachhaltige Logistik. Gleichzeitig bleibt die internationale Lage äußerst ungewiss. Deshalb muss Europa weiterhin auf eine starke Industriepolitik und ein wettbewerbsfähiges Investitionsklima setzen.

Johan Klaps, Vorsitzender des Verwaltungsrats von Port of Antwerp-Bruges und Hafenbeauftragter von Antwerpen: “

Das erste Halbjahr zeigt nicht nur, wie anfällig internationale Logistikketten für Störungen sind, sondern auch, wie widerstandsfähig unser Hafen ist. Trotz der aufeinanderfolgenden betrieblichen Herausforderungen gelang es Port of Anwerp-Bruges, seinen Marktanteil im Containerverkehr zu halten. Dies bestätigt, wie entscheidend Investitionen in Erreichbarkeit und Kapazität sowie eine zuverlässige Hafenorganisation für die Attraktivität unseres Hafens sowie für Reedereien, die Industrie und den gesamten Logistiksektor sind.

 

Dirk De fauw, stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrats von Port of Antwerp-Bruges und Bürgermeister von Brügge: “

Die rasche Verlagerung der Energieströme unterstreicht die Bedeutung des Zusammenspiels von Antwerpen und Zeebrugge. Dank dieser Komplementarität bleibt unser Hafen ein entscheidendes Bindeglied für die Energie- und Logistikversorgung Europas. Durch weitere Investitionen in die Infrastruktur und nachhaltiges Wachstum stärken wir nicht nur den Hafen, sondern auch die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und die Beschäftigung in unserer Region.

 


Für Presseanfragen kontaktieren Sie:

press@portofantwerpbruges.com
+32 492 15 41 39

Über den Hafen Antwerpen-Brügge

Mit einem jährlichen Umschlag von 267 Millionen Tonnen ist der Hafen Antwerpen-Brügge ein Welthafen im Herzen Europas. Der Hafen ist ein einzigartiges Ökosystem aus maritimer Güterumschlag, Logistik und Industrie und beherbergt unter anderem Europas größten integrierten Chemiecluster. Als zentrale Drehscheibe für Container, Stückgut und Fahrzeuge sowie Standort von über 1400 Unternehmen sorgt er für rund 164 000 direkte und indirekte Arbeitsplätze und eine Wertschöpfung von 21 Milliarden Euro. Damit ist er der wichtigste wirtschaftliche Motor Belgiens.

Der Hafen Antwerpen-Brügge verfolgt das Ziel, der erste Welthafen zu werden, der Wirtschaft, Mensch und Klima in Einklang bringt. Die Hafenbehörde Antwerpen-Brügge, eine Aktiengesellschaft öffentlichen Rechts, verwaltet die Hafenstandorte Antwerpen und Zeebrugge. Die Städte Antwerpen und Brügge sind Anteilseigner. Rob Smeets ist CEO, Johan Klaps (Vize-Bürgermeister von Antwerpen) ist Vorsitzender des Verwaltungsrats und Dirk De fauw (Bürgermeister von Brügge) dessen stellvertretender Vorsitzender.